Testbericht Picanto
Kia macht uns das Thema Kleinwagen schmackhaft. Der Picanto zeigt sich von der praktischen Seite, und das zu einem fairen Kurs.
Beim
Kochen kommt es auf die Gewürze an - das weiß jeder Hobbykoch. Nimmt er
zu wenig, schmeckt es fad, übertreibt er, ist das Gericht schnell
versalzen. Nur bei richtiger Prise schmeckt es gut und pikant. Kia
glaubt die passende Gewürzmischung in der Lupo-Klasse gefunden zu haben
und serviert uns seinen neuen Kleinwagen Picanto.
Statt Curry, Chili oder Paprika sollen vier Türen, eine
variable Rückbank, ein starker Diesel, pfiffige Ausstattungsdetails und
ein fairer Preis für einen gepfefferten Auftritt in der Kleinwagenklasse
sorgen.
Eher bescheiden: der Stauraum im Picanto-Steilheck.
Gerade 105 Liter fasst das Gepäckabteil. Da passt nicht mal ein normaler
Koffer aufrecht zwischen Rücksitzlehne und Heckklappe. Doch Kia greift
in die Trickkiste. Die asymmetrisch geteilte Lehne lässt sich in der
Neigung verstellen. Von stark geneigt über leicht angewinkelt bis zu
aufrecht. Nun passt auch der Koffer rein.
Für
mehr Gepäck lassen sich Rückbank und Rücksitzlehnen umlegen. Das Ganze
funktioniert spielend leicht und in Sekunden. So wird der Picanto zum
Mini-Transporter, der nun bis zu 868 Liter Stauraum bereithält..
Opulenter
abgeschmeckt: das Modell EX zusätzlich mit Klimaanlage, Alurädern,
Nebelleuchten, elektrischen Fensterhebern vierfach und einer
zweifarbigen, recht gelungenen Innenausstattung. Das Auge isst halt
immer mit.
Angetrieben wird Picanto von einem
1,1-Liter-Vierzylinder mit 65 PS. Kein Motor, der zu begeistern vermag.
Bei hohen Drehzahlen wird er unangenehm laut, beim Beschleunigen wirkt
er zäh und müde. Laut Kia erreicht Picanto nach 15,1 Sekunden Tempo 100,
schafft 154 km/h Spitze (Automatik 144 km/h). Na ja. Immerhin soll der
Motor mit 4,9 Liter Normal auskommen. Für viele Picanto-Käufer mag der
Spareffekt wichtiger sein als die Durchzugskraft. Wer danach lechzt,
muss bis Mitte 2005 warten - auf einen völlig neuen Diesel mit 72 PS.
Die
exakte Schaltung und die direkte Lenkung - nur 2,8 Umdrehungen von
Anschlag zu Anschlag - treffen schon heute unseren Geschmack. Nicht so
das viel zu weiche Fahrwerk. Die Karosserie schwingt und schaukelt,
kommt nie zur Ruhe. Für die Mägen der kleinen Passagiere auf der
Rückbank eine wahre Folter. Doch Kia hat zugesichert, bis zur
Markteinführung im April Fahrwerk und Federung grundlegend zu
überarbeiten. Nachwürzen nennen das die Hobbyköche. Ist eben nicht so
einfach, ein neues Auto richtig abzuschmecken.
Quelle: Online Autobild 11/2004